Ergänzendes Interview zur Presse-Information

Im Gespräch mit Silke Morini, Geschäftsführerin Gemeinnützige Känguru GmbH und verantwortlich für das Känguru-Land und dessen Ausbau:

Frau Morini, was ist Känguru?

Känguru ist der Bereich des Vereins IFB Inklusion durch Förderung und Betreuung e.V. kurz IFB, der Familien unterstützt, in denen ein Kind mit Behinderung lebt. Känguru ist für Kinder von Geburt an da und begleitet sie, bis sie zuhause ausziehen. Um die einzelnen Lebensphasen und Bedürfnisse abdecken zu können, bieten wir an: die Frühförderstelle, Känguru-Kindertagesstätten, den Mobilen Inklusionsdienst und den Familienentlastenden Dienst.


Welche Aufgaben haben Frühförderstelle, Mobiler Inklusionsdienst und
Familienentlastender Dienst?


Unser Angebot beginnt in den Frühförderstellen mit einer Beratung im Zweifelsfall: Sobald Eltern den Eindruck haben, die Entwicklung ihres Babys oder Kleinkindes verläuft nicht so, wie sie sollte oder ein Arzt empfiehlt eine Prüfung, kommen Eltern zu uns in die Frühförderstelle, beziehungsweise wir beraten die Eltern zuhause. Wir beraten sie dahingehend, wie sie ihr Kind bei Bedarf verstärkt unterstützen und gezielt fördern können, damit vielleicht das eine oder andere an Entwicklung aufgeholt werden kann.

Der Mobile Inklusionsdienst MID betreut in jeder Kindertagesstätte in Wiesbaden Kinder mit Behinderung, wenn die Kindertagesstätte als Regelkindertagesstätte Unterstützung bei der individuellen Betreuung eines gehandicapten Kindes braucht.
Außerdem entlasten wir Familien: Eltern müssen auch einmal Luft holen können oder sich um etwas anderes kümmern – zum Beispiel um die Geschwisterkinder ohne Behinderung oder ihren Beruf. Hierfür haben wir den Familienentlastenden Dienst FED eingerichtet. Da geht es um die Zeiten, wenn die Kinder zuhause sind, also nicht in der Kindertagesstätte oder in der Schule, und betreut werden müssen, weil die Eltern Zeit für andere Dinge brauchen.

Wie viele Kinder betreut Känguru, wie viele Mitarbeiter haben Sie?


Die Känguru-Initiative betreut insgesamt etwa 250 Kinder, hat rund 50 festangestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und etwa 25 Ehrenamtliche:
Unsere Frühförderstelle betreut 51 Kinder mit dreieinhalb Vollzeitkräften – 51 ist die Obergrenze, mehr dürfen wir nicht aufnehmen. Der Mobile Integrationsdienst hat 39 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die aktuell 73 Kinder in rund 40 Kindertagesstätten betreuen. Beim FED arbeiten vor allem Ehrenamtliche, die pädagogische Erfahrungen vorweisen können. Wir betreuen im Stadtgebiet Wiesbaden gut 100 Familien mit dem FED, in der Region Wiesbaden sind es etwas mehr.

Frau Morini, Känguru wird die Spende von R+V den Ausbau von Känguru-Land gesteckt. Brauchen Kinder mit Behinderung ein eigenes Spielplatzgelände? Können Sie nicht öffentliche Spielplätze nutzen oder sich an den Rhein setzen?

Unsere Kinder sitzen nicht am Rhein. Bei unseren Kindern, wenn wir mit ihnen an den Rhein gehen würden, müssten wir Angst haben, dass sie hineinspringen. Wir können auch nicht auf öffentliche Spielplätze gehen, ohne unsere Kinder zu bremsen. Unser Schwerpunkt sind Kinder und Jugendliche mit einer geistigen Behinderung. Wir betreuen 17-Jährige, die teilweise eins achtzig groß und entsprechend schwer sind und aufgrund ihrer Behinderung ein Verhalten an den Tag legen wie Zwei- oder Dreijährige. Wenn Sie mit unseren Schützlingen auf den Kinderspielplatz gehen, dann sollen Sie mal sehen, was dann passiert.
Zum Teil haben kleine Kinder Angst, zum Teil muss man andere Kinder wirklich schützen, weil unsere Kinder auch übergriffig werden können. Das heißt, wenn wir von Freizeit und Spiel sprechen, haben unsere Kinder im Känguru-Land endlich einen Platz außerhalb ihrer Familie an der frischen Luft, wo sie sein dürfen, wie sie sind.

Was ist das Besondere an diesem Freigelände?


Das Besondere ist, dass auf dem neuen Gelände ein zwar altes aber dennoch festes Haus steht, aus dem wir etwas machen können. Und außerdem hat dieser Teil des Freigeländes einen alten Baumbestand. Wir haben zwar einige morsche Bäume fällen müssen und neue gepflanzt, aber einiges an Altbestand konnten wir stehen lassen. Dieser alte Baumbestand, das ist für mich das Faszinierende. Neue Bäume müssen erst einmal wachsen, aber die alten spenden Schatten, laden zum Ausruhen und sich niederlassen ein. Wir haben dort eine gewachsene Struktur, die etwas Heimeliges hat.

Außerdem haben wir ein Baummikado eingerichtet, auf dem die Kinder klettern, fühlen, tasten und neue Erfahrungen machen können.

Unser großes Freigelände mit den beiden Lamas ist einmalig im Rhein-Main-Gebiet und wir tun viel, um es zu hegen und zu pflegen und die uns anvertrauten Spenden langfristig gut anzulegen.

Was planen Sie als nächstes mit dem Känguru-Land?


Was jetzt noch ansteht, ist der Umbau des alten Hauses in unsere Känguru-Villa, wie wir es nennen. Der Umbau wird enorm.

Ist der Name nicht strategisch ungeschickt gewählt? "Villa" hört sich nach Luxus an.

Ist es auch, für uns ist es Luxus. Wir haben es ganz bewusst Känguru-Villa genannt, weil es am Ende ein Schmuckstück sein wird – nicht groß, aber ein festes Haus mit Betreuungsräumen und einem Bad. Das rundet das Angebot des Freigeländes ab. Für Kinder mit einer Behinderung – teilweise schwerst-geistig oder -körperbehindert oder stark verhaltensgestört – ist diese gesamte Umgebung nach dem Umbau wirklich Luxus im Kindergartenbereich. Und für mich ist es heute schon eine kleine Villa. Bei dem, was wir vorhaben und mit welchem Herzen wir daran hängen, ist es für mich kein Haus, keine Hütte, sondern wirklich eine Villa.

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Kontakt für Medien:


IFB Inklusion durch Förderung
und Betreuung e.V.
Claudia Messer, PR-Referentin
Telefon: 0611 - 98 87 34 13
Fax: 0611 40809929
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Hintergrund:
Über Känguru und den Verein IFB Inklusion durch Förderung und Betreuung e.V. - www.ifbev.de Seit 1959 setzt sich der IFB Inklusion durch Förderung und Betreuung e.V. mit Sitz in Wiesbaden für Menschen mit Behinderung ein.

Der Wiesbadener Christian Groh löste vor über 50 Jahren die Frage, wie er seinem behinderten Sohn eine Schulbildung bieten könnte, indem er eine Wanderlehrerin engagierte, die Karlheinz und weitere Kinder mit Behinderung zu Hause unterrichtete. Aus dieser privaten Elterninitiative ist mit der IFB eine Einrichtung geworden, die Menschen mit Behinderung in Wiesbaden und Umgebung in allen Phasen ihres Lebens offen steht – sie begleitet, unterstützt und fördert. Geleitet wird die IFB von Wolfgang Groh, Vorstandsvorsitzender und Sohn des Gründers.

Ein Bereich der IFB ist die Entlastung von Familien, in denen ein Kind mit Handicap lebt. Dies ist Aufgabe von Känguru und wird einerseits von den Känguru-Kindertagesstätten unter Leitung von Jürgen Schunder realisiert und gehört andererseits zum Arbeitsbereich von Silke Morini, die die Frühförderstellen, den Mobilen Integrationsdienst (MID) sowie den Familienentlastenden Dienst (FED) verantwortet. Zum FED gehört auch das Freigelände Känguru-Land in Wiesbaden Erbenheim. Das Känguru-Land ist ein im Rhein-Main-Gebiet einmaliges behindertengerechtes Spielplatzgelände – inklusive zweier Lamas.


Weitere Informationen:
Internet: www.ifb-kaenguru.de
Facebook: http://www.facebook.com/pages/ifb-kaengurude/207303329300096
Twitter: http://twitter.com/#!/IFB_kaenguru

 



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